Die niederländische 30%-Regelung: Nettovorteile für deutsche Arbeitnehmer

10 July 2018

Die niederländische 30%-Regelung ist seit vielen Jahren eine beliebte Lohnsteuerregelung um die Einstellung hochqualifizierter ausländischer Arbeitnehmer attraktiver zu machen. Viele deutsche Arbeitnehmer in den Niederlanden nutzen die 30%-Regelung und profitieren somit von einem Steuervorteil. Sie können maximal 30% ihres Gehalts steuerbefreit in Form einer steuerfreien Vergütung von ihrem Arbeitgeber erhalten. Wichtige Aspekte dieser Regelung wurden 2012 geändert. Die niederländische Regierung plant derzeit, die Laufzeit der 30%-Regelung zum 1 Januar 2019 zu verkürzen.

Was ist die niederländische 30%-Regelung?

Die niederländische sogenannte Arbeitskostenregelung ist ein wichtiger Bestandteil des niederländischen Lohnsteuerrechts und legt die Spielregeln für alle Vergütungen und Sachleistungen eines Arbeitgeber an einen Arbeitnehmer fest. Bestimmte Leistungen können steuerfrei erstattet oder zur Verfügung gestellt werden. Für die Erstattung extraterritorialer Kosten gilt eine gezielte Freistellung. Extraterritoriale Kosten sind die zusätzlichen Kosten eines vorübergehenden Aufenthalts außerhalb des Herkunftslandes, die einem Arbeitnehmer im Rahmen seiner Beschäftigung entstehen. Ein niederländischer Arbeitgeber kann die tatsächlich entstanden Kosten erstatten oder unten bestimmten Voraussetzungen eine Pauschalerstattung nach der 30%-Regelung in Anspruch nehmen.

Wenn die 30%-Regelung angewendet werden kann, darf der niederländische Arbeitgeber maximal 30% des Gehalts, einschließlich der Vergütung, steuerfrei als Nettokostenerstattung auszahlen. In den meisten Fällen wird die 30%-Regelung für eingewanderte Arbeitnehmer angewendet, die aus dem Ausland in die Niederlande entsendet wurden.

Welche Bedingungen stellt die niederländische 30%-Regelung an deutsche Arbeitnehmer?

Ein deutscher Arbeitnehmer, der in die Niederlande zieht, muss zunächst über spezifisches Fachwissen verfügen. Dieses spezifische Fachwissen sollte auf dem niederländischen Arbeitsmarkt nicht oder nur knapp vorhanden sein. Das spezifische Fachwissen gilt als vorhanden, wenn das Jahresgehalt 37.296 € (2018) übersteigt. Hat der deutsche Arbeitnehmer einen niederländischen Master-Abschluss oder einen vergleichbaren ausländischen Hochschulabschluss und ist jünger als 30 Jahre, gilt ein niedrigeres Einkommensniveau von 28.350 € (2018). Unabhängig von der Höhe des Einkommens kann der deutsche Arbeitnehmer die 30%-Regelung immer in Anspruch nehmen, wenn er an einer anerkannten niederländischen Forschungseinrichtung wissenschaftliche Forschung betreibt oder als Arzt in der Ausbildung zum Facharzt in den Niederlanden tätig ist.

Bitte beachten Sie, dass die oben genannten Beträge zuzüglich der 30%-Vergütung sind, die zum Gehalt hinzukommt. In der Praxis wird bei Gewährung der 30%-Regelung das vereinbarte Bruttogehalt in der Regel auf 70% reduziert. Beispiel: Das vereinbarte Bruttogehalt beträgt 60.000 €. Die Steuerverwaltung stellt einen sogenannten 30%-Bescheid aus. Das Bruttogehalt beträgt 42.000 € und die steuerfreie 30%-Vergütung beträgt 18.000 €. Das Gehalt exklusive der 30%-Vergütung entspricht somit der Gehaltsvorstellung.

Die zweite Bedingung ist, dass der deutsche Arbeitnehmer in den zwei Jahren vor seinem ersten Arbeitstag in den Niederlanden mehr als 16 Monate auf einer Entfernung von mehr als 150 Kilometern (Luftlinie) von der niederländischen Grenze gelebt haben muss. Folglich kann die niederländische 30%-Regelung für viele Arbeitnehmer aus bestimmten Teilen Deutschlands, insbesondere aus den Grenzregionen, nicht angewendet werden.                            

Wie wird die 30%-Regelung angewendet?

Erfüllt ein ausländischer Arbeitnehmer die Voraussetzungen, muss er gemeinsam mit seinem Arbeitgeber einen Antrag auf Anwendung der 30%-Regelung bei der niederländischen Steuerverwaltung stellen. Wenn die Steuerbehörde zustimmt, wird ein Bescheid ausgestellt, der je nach Beantragung höchstens 8 Jahre gültig ist. Der Arbeitgeber wendet anschließend die niederländische 30%-Regelung in seiner niederländischen Gehaltsabrechnung an.

Welche weiteren Vorteile bietet die niederländische 30%-Regelung?

Ein deutscher Expat, der in die Niederlande gezogen ist, kann sich aufgrund der 30%-Regelung für eine teilweise ausländische Steuerpflicht entscheiden. Der deutsche Arbeitnehmer wird dann als ausländischer Steuerpflichtiger für Box 2 (Einkünfte aus wesentlicher Beteiligung) und Box 3 (Einkünfte aus Spar- und Anlageaktivitäten) eingestuft, so dass entsprechende ausländische Einkünfte in den Niederlanden nicht besteuert werden.

Darüber hinaus kann die 30%-Regelung eine Reihe von Angelegenheiten für einen außereuropäischen Arbeitnehmer vereinfachen. Ein außereuropäischer Führerschein kann relativ einfach in einen niederländischen Führerschein umgewandelt werden. Zudem wird ein nichteuropäischer Mitarbeiter dank der 30%-Regelung schneller eine Aufenthaltserlaubnis in den Niederlanden erhalten.

Was ändert sich an der niederländischen 30%-Regelung ab 2019?

Die niederländische Regierung plant derzeit, die Laufzeit der 30%-Regelung für eingewanderte Arbeitnehmer zum 1. Januar 2019 von 8 auf 5 Jahre zu verkürzen. Die reduzierte Laufzeit wird dann sowohl für bestehende wie neue Arbeitsverhältnisse gelten. Zur gleichen Zeit wird die Laufzeit für die Erstattung der tatsächlichen extraterritorialen Kosten auf fünf Jahre verkürzt.

Die niederländische Finanzverwaltung versendet derzeit schriftliche Mitteilungen an Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die in der Vergangenheit eine 30%-Regelung beantragt haben. Zurzeit ist noch unklar, ob die angekündigte Änderung tatsächlich durchgeführt wird. Ende 2018 soll deutlich werden, ob der Plan umgesetzt wird.

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