Sozialversicherung und Lohnsteuer bei Aufnahme einer Beschäftigung in den Niederlanden

31 July 2013

Wollen Sie in den Niederlanden arbeiten und möchten sich über Ihre Sozialversicherungspflicht und Lohnsteuern informieren?
Wenn Sie ein Dienstverhältnis bei einem niederländischen Arbeitgeber eingehen und in den Niederlanden arbeiten, sind Sie meist auch in den Niederlanden sozialversichert. Da es aber viele Ausnahmeregelungen gibt, insbesondere wenn Sie in Deutschland wohnen bleiben, lohnt es sich in jedem Fall, sich bei Unklarheiten entsprechend beraten zu lassen. Wir klären Ihre sozialversicherungsrechtliche Position, wenn Sie Zweifel haben.

Zweifel können insbesondere dann entstehen, wenn Sie neben der Tätigkeit in den Niederlanden auch in Deutschland arbeiten. Abhängig von dem Umfang der jeweiligen Tätigkeiten in den Niederlanden und in Deutschland sind Sie entweder in den Niederlanden oder aber weiterhin in Deutschland sozialversichert.

Was bedeutet es für Sie, in den Niederlanden sozialversichert zu sein?
Wenn Sie in den Niederlanden sozialversichert sind, bedeutet dies, dass Sie über Ihr niederländisches Gehalt Sozialabgaben an die niederländischen Behörden abführen müssen. Diese werden in den Niederlanden kombiniert in Form der sogenannten „loonheffingen“ abgeführt und nicht wie in Deutschland aufgeteilt in Lohnsteuer auf der einen und Sozialabgaben auf der anderen Seite. Die „loonheffingen“ werden vollständig an das niederländische Finanzamt (Belastingdienst) abgeführt. Einen Teil der Lohnsteuer und auch der Sozialabgaben, die Sie in den Niederlanden gezahlt haben, können Sie am Ende des Jahres, soweit Sie Abzugsposten haben, durch die Abgabe einer niederländischen Einkommensteuererklärung (aangifte inkomstenbelasting) von den niederländischen Steuerbehörden zurückerhalten.

Müssen Sie in den Niederlanden Lohnsteuer zahlen?
Wenn Sie in den Niederlanden arbeiten, müssen Sie dort auch Lohnsteuer zahlen.

Wie läuft die Krankenversicherung in den Niederlanden?
Nur ein Teil der Krankenversicherungsbeiträge werden vom Lohn einbehalten, für den Rest kommt der Arbeitnehmer selbst auf. In den Niederlanden kann man aus einer Vielzahl von verschiedenen Krankenkassen (zorgverzekeraar) auswählen. Dort schreibt man sich ein und erhält fortan jeden Monat eine Rechnung der niederländischen Krankenversicherung, die privat vom eigenen Konto zu überweisen ist.
Wir empfehlen deutschen Arbeitnehmern, die in den Niederlanden arbeiten und in Deutschland wohnen, sofort eine Bescheinigung bei der niederländischen Krankenkasse zu beantragen und dieser mitzuteilen, bei welcher deutschen Krankenkasse man bisher versichert war. Die bisherige deutsche Krankenkasse erstellt dann eine neue Krankenversichertenkarte, mit der man wie gewohnt in Deutschland zum Arzt gehen kann. Die deutsche Krankenkasse lässt sich ihre Auslagen anschließend von der niederländischen Krankenkasse erstatten.

...und die Rentenversicherung in den Niederlanden?
Auch rentenversichert sind Sie fortan in den Niederlanden, allerdings zunächst nur für die gesetzliche Basisrente (AOW) in den Niederlanden, die weitaus dürftiger ausfällt als die gesetzliche Rente in Deutschland. In den Niederlanden ist es daher üblich, durch den Arbeitgeber an einer betrieblichen Altersvorsorge teilzunehmen und damit eine Betriebsrente (bedrijfspensioen) aufzubauen, die die Rentenlücke schließen soll. Informieren Sie sich bei Ihrem Arbeitgeber darüber.
Beiträge für eine private Rentenversicherung, die Sie in Deutschland abgeschlossen haben, sind in den Niederlanden nicht steuerbefreit. Daher kann es für Sie günstiger sein, zusätzlich oder stattdessen eine niederländische private Altersvorsorge aufzubauen. Aber auch dort gilt: informieren Sie sich genau über die gesetzlichen Anforderungen an eine solche „lijfrente“, damit diese Rente nicht unnötigerweise besteuert wird. Handelt es sich tatsächlich um eine „lijfrente“, können Sie die privaten Rentenbeiträge in der niederländischen Einkommenssteuererklärung geltend machen.


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Datum: 31.07.2013