Niederländische Gehaltsabrechnung: wichtige Gesetzesänderungen in 2018

29 March 2018

Nachfolgend finden Sie eine Übersicht zehn relevanter Gesetzesänderungen, die am 1. Januar 2018 in Kraft getreten sind.

1. Erhöhung Mindestlohn und Mindestlohn für Jugendliche

Seit dem 1. Juli 2017 wird das Alter, in dem Arbeitnehmer den vollen Mindestlohn beziehen stufenweise von 23 auf 21 Jahre herabgesetzt. Seit dem 1. Juli 2017 (Stufe 1) wurde der gesetzliche Mindestlohn für Jugendliche (18- bis 21-Jährige) angehoben und haben Arbeitnehmer ab 22 Jahren Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn. Ab 2019 (Stufe 2) erhalten 21-Jährige den vollen gesetzlichen Mindestlohn, und steigt für 18- bis 20-Jährige der Mindestlohn für Jugendliche weiter an.

2. Mindestlohn bei Akkordarbeit, Überstunden / Mehrarbeit und Entgeltvereinbarung

Ab dem 1. Januar 2018 gilt der Mindestlohn auch für Akkordarbeit, Überstunden / Mehrarbeit und Entgeltvereinbarungen.

Als Akkordlohn oder Stücklohn bezeichnet man den für die ausgebrachte Menge gezahlten Lohn. Ab dem 1. Januar 2018 müssen Arbeitnehmer für jede geleistete Arbeitsstunde im Durchschnitt mindestens den Mindestlohn verdienen, wenn der Arbeitgeber ihnen Akkordlohn zahlt.

Wenn Arbeitnehmer zusätzliche Arbeitsstunden leisten (Überstunden / Mehrarbeit), muss der Arbeitgeber die Arbeitnehmer so entlohnen, dass sie im Durchschnitt mindestens den Mindestlohn für die geleisteten Arbeitsstunden verdienen. Das bedeutet, dass Sie Überstunden / Mehrarbeit nicht mehr in Form einer "Zeit-für-Zeit -Regelung" (Freizeitausgleichsregelung) kompensieren können. Für 2018 gilt eine Übergangsregelung und ist eine Zeit-für-Zeit-Regelung nur noch möglich, wenn sie vorher schriftlich mit dem Arbeitnehmer vereinbart wurde.

Ab dem 1. Januar 2018 gilt der Mindestlohn auch für alle Personen, die keinen Arbeitsvertrag haben, sondern eine Leistung auf Grund einer Entgeltvereinbarung (Werkvertrag oder Dienstvertrag) erbringen.

3. Überstunden und Urlaubsgeld

Seit 1. Januar 2018 muss der Arbeitgeber den Mindestlohn für Überstunden zahlen. Ab diesem Zeitpunkt gilt eine Änderung des Artikels 6 des Gesetzes über den Mindestlohn und das Mindesturlaubsgeld (Wml).

Das Gesetz besagte bisher, dass unter „Lohn″ die geldwerten Einkünfte aus der Beschäftigung verstanden werden, mit Ausnahme der - unter anderem - Einkünfte aus Überstunden. Diese Ausnahme gilt ab dem 1. Januar 2018 nicht mehr. Das bedeutet, dass ein Arbeitnehmer ab 2018 nicht nur Anspruch auf einen Mindestlohn, sondern auch auf Urlaubsgeld für die geleisteten Überstunden hat.

Je nach Tarifvertrag können hier andere Regeln gelten. Wenn Ihr Unternehmen unter den Geltungsbereich eines Tarifvertrags fällt, ist darin festgelegt, ob das Urlaubsgeld auch für geleistete Überstunden gezahlt werden muss. Unterliegt Ihr Unternehmen keinem Branchentarifvertrag, muss ab 2018 für Überstunden (und Überstundenzuschläge) Urlaubsgeld berechnet werden.

4. Übergangsentschädigung bei Entlassung

Die Höchststumme einer Übergangsentschädigung bei einer Entlassung hat sich zum 1. Januar 2018 von 77.000 € auf 79.000 € erhöht. Wenn jedoch der Bruttojahresgehalt höher ist, beträgt die Übergangsentschädigung ein Bruttojahresgehalt.

5. AOW-Renteneintrittsalter

Das AOW-Renteneintrittsalter wird weiter angehoben. Ab dem 1. Januar 2018 ist das AOW-Renteneintrittsalter 66. Das Renteneintrittsalter wird bis zum Jahr 2021 weiter stufenweise angehoben auf (aktuell) 67.

6. Niedrigeinkommensleistung (LIV) für Jugendliche

Seit dem 1. Januar 2017 besteht die Niedrigeinkommensleistung „LIV″. Beschäftigt der Arbeitgeber einen Arbeitnehmer, der zwischen 100 und 125 % des gesetzlichen Mindestlohns verdient und 1.248 oder weniger bezahlte Arbeitsstunden pro Jahr leistet, so erhält er einen finanziellen Ausgleich. Ziel dieser Leistung ist es, die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Ab dem 1. Januar 2018 können Sie diesen Ausgleich auch für Arbeitnehmer im Alter von 18 bis 21 Jahren erhalten. Dieser wird als „LIV-Jugend″ bezeichnet.

7. Lohnkostenvorteile anstelle ermäßigter Sozialversicherungsbeiträge

Seit dem 1. Januar 2018 sind die ermäßigten Sozialversicherungsbeiträge für jüngere und ältere Arbeitnehmer sowie Arbeitnehmer mit einer Behinderung entfallen. Diese wurde durch eine Reihe von sogenannten Lohnkostenvorteilen für ältere Arbeitnehmer und Menschen mit einer Arbeitsbeeinträchtigung ersetzt:

  • Lohnkostenvorteil für ältere Arbeitnehmer ab 2018 ab 56, die vorher eine Sozialleistung bezogen haben;
  • Lohnkostenvorteil für Arbeitnehmer mit einer Behinderung ab 2018, für Arbeitnehmer, die eine WIA-Leistung bezogen haben, Arbeitnehmer, die bis zu 35% arbeitsunfähig sind oder Arbeitnehmer mit einer WIA-Leistung, die ihre Arbeit wieder voll oder teilweise aufnehmen;
  • Lohnkostenvorteil Zielgruppe „Jobförderung / Ausbildungsförderung″ (Banenafspraak en scholingsbelemmerden) ab 2018, für Arbeitnehmer, die im Zielgruppenregister des UWV eingetragen sind sowie förderungswürdige Arbeitnehmer.

Für die Anwendung eines Lohnkostenvorteils benötigen Sie eine Zielgruppenbescheinigung. Diese Bescheinigung ist innerhalb von 3 Monaten nach der Einstellung des Arbeitnehmers zu beantragen. Der Lohnkostenvorteil wird beim niederländischen Finanzamt über die Lohnsteuererklärung beantragt.

8. Risikofreie Beschäftigung von Arbeitnehmern ab 56 („No-risk-Entschädigung″)

Stellt ein Arbeitgeber einen Arbeitnehmer im Alter von 56 Jahren oder älter ein, der vor diesem Arbeitsverhältnis eine WW-Leistung (Arbeitslosengeld) erhalten hat und seit mindestens einem Jahr arbeitslos war, so erhält der Arbeitgeber über die UWV-Behörde eine vollständige Entschädigung der Lohnkosten, wenn dieser Arbeitnehmer wegen Krankheit ausfällt. Der Krankenkassenbeitrag erhöht sich durch die Erkrankung nicht.

9. Datenschutzverordnung

Ab 25. Mai 2018 tritt die europaïsche Datenschutzverordnung „AVG“ in Kraft. Ab diesem Zeitpunkt gelten in der gesamten EU dieselben Datenschutzbestimmungen.

10. Kinderbetreuungsgeld für Kindertagesstätten

Ab dem 1. Januar 2018 gelten alle Kindergärten als Kindertagesstätte. Dadurch können berufstätige Eltern unter Umständen Kinderbetreuungsgeld beantragen, wenn ihr Kind in die Kindertagesstätte geht. Dies bedeutet jedoch, dass auch Kindergärten die strengeren Qualitätsanforderungen für Kindertagesstätten erfüllen müssen.

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