Update Maßnahmen Coronavirus - FAQ - NOW - Kurzarbeitergeld - Stundung von Steuerzahlungen - die Niederlande (Holland)

17 March 2020

Das Coronavirus: Unterstützung für Unternehmen in den Niederlanden (Update 2. April 2020)

Kürzlich erhielten Sie unseren Newsletter mit Informationen zu den in den Niederlanden vorhandenen Maßnahmen zur Abfederung der Auswirkungen des Coronavirus. Die niederländische Regierung hat mit sofortiger Wirkung mehrere Maßnahmen erweitert und geändert. Es handelt sich um folgende Unterstützungsmaßnahmen für KMU und Selbständige:

1. Notfallfonds Überbrückung Beschäftigung

2. Stundung von Steuerzahlungen in den Niederlanden

3. Erweiterung der KMU-Bürgschaftsregelung BMKB

1. FAQ. Befristete Notfallmaßnahme zur Überbrückung der Beschäftigung (NOW) - Arbeitskosten sparen in Zeiten des Coronavirus

Was ist das NOW-Programm?

Unternehmer mit Mitarbeitern, die innerhalb von 3 Monaten mit einem Umsatzverlust von mindestens 20% rechnen, können das NOW-Programm voraussichtlich vom 6. April bis zum 31. Mai 2020 in Anspruch nehmen. Auf diese Weise bietet die Regierung einen Zuschuss zu den Lohnkosten an, damit möglichst viele Mitarbeiter weiter beschäftigt werden können. Die Arbeitgeber erhalten von der UWV (Ausführungsbehörde der Arbeitnehmerversicherungen) eine Vorauszahlung. Das NOW-Programm ersetzt das Kurzarbeitergeld (WTV), das aktuell widerrufen wurde.

Für wen ist die NOW?

Das NOW-Programm gilt für alle Arbeitgeber, die in den Niederlanden sozialversicherte Arbeitnehmer beschäftigen. Das Programm ist für Unternehmer mit Personal gedacht, die während 3 Monaten mit mindestens 20% Umsatzverlust rechnen. Nach der neuen Regelung können Arbeitgeber einen Zuschuss zu den Lohnkosten beantragen und dafür einen Vorschuss von der UWV erhalten. Je höher der Umsatzverlust, desto höher die Zulage. Jeder, für den eine Lohnsteuererklärung abgegeben wird und der für die Versicherungen WW, ZW oder WIA versichert ist, kann einen Zuschuss zü die Lohnkosten erhalten. Das Programm ist auch für neu gegründete Unternehmer gedacht. Eine Bedingung ist, dass Sie vor dem 1. März 2020 mindestens einen Monatsumsatz erzielt haben müssen.

Hinweis: Die NOW gilt nicht für den Geschäftsführer mit wesentlicher Beteiligung, der nicht für die Arbeitnehmerversicherungen versichert ist. Dieses Gehalt wird daher bei der Ermittlung der Lohn- und Gehaltssumme nicht berücksichtigt. Der Lohn eines versicherten Geschäftsführers mit wesentlicher Beteiligung wird jedoch bei der Berechnung berücksichtigt.

Wie funktioniert die NOW?

Unternehmen, die für 3 Monate mindestens 20% Umsatzverlust haben, können rückwirkend ab dem 1. März 2020 eine Entschädigung von bis zu 90% der Lohnsumme im Verhältnis zum Umsatzverlust erhalten. Bei einem Umsatzverlust von 100% beträgt diese 90%, z.B. bei 50% Umsatzverlust sind das 45% der gesamten Lohn- und Gehaltssumme. Die Bedingung ist jedoch, dass die Unternehmen ihren Mitarbeitern weiterhin ihr reguläres Gehalt zahlen und dass sie in der Zeit, in der sie den Zuschuss erhalten, keine betriebsbedingte Kündigung beantragen. Bei dem Antrag gibt der Arbeitgeber den erwarteten Umsatzrückgang an. Wenn die UWV-Behörde den Zuschuss gewährt, wird zunächst ein Vorschuss von 80%, verteilt auf 3 Raten, ausgezahlt. Den ersten Teil erhalten Sie innerhalb von 2 bis 4 Wochen nach Ihrem Antrag. Innerhalb von 24 Wochen nach Ende des Zeitraums, für den der NOW-Zuschuss gewährt wurde, beantragt der Arbeitgeber die Festlegung des Zuschusses. Grundsätzlich ist dafür eine Stellungnahme eines Wirtschaftsprüfers erforderlich. Die UWV-Behörde wird dann innerhalb von 22 Wochen eine endgültige Erklärung abgeben. Diese kann höher oder niedriger sein als zum Zeitpunkt der ersten Erklärung. Unternehmer mit akuten Liquiditätsproblemen haben möglicherweise Anspruch auf andere Maßnahmen aus dem Notfallpaket.

Wie wird der Umsatzverlust ermittelt?

Bei der NOW-Regelung geht es um Umsatz und Lohnkosten. Um die Höhe des Umsatzverlustes zu bestimmen, dividieren Sie den Gesamtumsatz 2019 durch 4. Sie vergleichen diese Zahl dann mit dem Umsatz im März-April-Mai 2020. Manchmal lässt sich eine Verschlechterung der Auftragslage erst verzögert im Umsatzrückgang erkennen. Deshalb können Arbeitgeber auch einen Zeitraum für den Umsatzvergleich angeben, der 1 oder 2 Monate später beginnt.

Besteht ein Unternehmen aus mehreren Geschäftseinheiten (Rechtspersonen), die zusammen eine Unternehmensgruppe bilden, so wird der Umsatzrückgang für die gesamte Gruppe berücksichtigt.

Wie bestimmen junge Unternehmen den Messzeitraum?

Für Unternehmen, die erst nach dem 1. Januar 2019 begonnen haben und daher den Umsatz nicht für das gesamte Jahr 2019 ermitteln können, gilt eine andere Messperiode. In dieser Situation zählen Sie von dem Monat, in dem Sie begonnen haben, bis Februar 2020. Sie rechnen den kumulierten Umsatz auf 3 Monate um. Der resultierende Betrag wird mit der von Ihnen gewählten Messperiode für 2020 verglichen. Angenommen, Sie haben seit Oktober 2019 Umsatz. Dann addieren Sie den Monatsumsatz für Oktober, November, Dezember, Januar und Februar und berechnen den durchschnittlichen Monatsumsatz. Dieser durchschnittliche Monatsumsatz wird mit 3 multipliziert. Dieser Betrag wird mit dem von Ihnen gewählten Dreimonatszeitraum für 2020 verglichen.

Wie wird die Lohnsumme ermittelt?

Die UWV-Behörde verwendet zur Ermittlung der Lohnsumme die Daten aus der Lohnsteuererklärung. Daher ist es für die Anwendung der NOW-Regelung wichtig, dass die Arbeitgeber ihre Lohnsteuererklärung weiterhin fristgemäß an das Finanzamt übermitteln. Die UWV-Behörde verwendet den Sozialversicherungslohn als Grundlage. Der gleiche Zuschlag von 30% wird für alle Unternehmen für Arbeitgeberabgaben, wie z.B. die Ansammlung von Urlaubsgeld, Renten- und Arbeitgeberbeiträgen, erhoben. Es gibt einen Höchstlohn pro Arbeitnehmer von 9.538 EUR pro Monat. Gehälter über diesem Betrag werden nicht kompensiert. Mehr als 98,5% der Beschäftigten fallen unter dieses Maximum. Die Lohnsumme im Zuschusszeitraum wird mit der dem Finanzamt bekannten Lohnsumme vom Januar verglichen. Sollte dies nicht möglich sein, wird die Lohn- und Gehaltsabrechnung vom November 2019 herangezogen. Änderungen der Lohn- und Gehaltskosten nach dem 15. März 2020 werden nicht berücksichtigt.

Flexible Arbeitsverträge

Die neue NOW-Regelung gilt auch für die Lohnkosten von Mitarbeitern mit flexiblen Verträgen, für die der Arbeitgeber nicht zur Lohnfortzahlung verpflichtet ist, wie z. B. Mitarbeiter mit einem Abrufarbeitsvertrag. Auch Zeitarbeitsfirmen können für Zeitarbeitnehmer einen Zuschuss beantragen. Bei Mitarbeitern die über einen Payrollservice arbeiten, kann der Arbeitgeber den NOW-Zuschuss beantragen.

Für die Arbeitnehmer, die unter diese Regelung fallen, bedeutet dies, dass ihr Lohn in voller Höhe ausgezahlt werden kann. Dabei verlieren die Arbeitnehmer ihre Ansprüche auf Arbeitslosengeld (WW) nicht, da es sind um zwei getrennte Systeme handelt. Arbeitnehmer und Arbeitgeber können selbst entscheiden, ob die Arbeitnehmer Arbeit leisten müssen. Es ist jedoch wichtig, festzustellen, ob das NOW-Programm die Lohnkosten ausreichend deckt, wenn der Arbeitnehmer mit einem flexiblen Vertrag nicht eingesetzt werden kann. Gerne prüfen wir gemeinsam mit Ihnen welche Möglichkeiten es im Hinblick auf flexible Verträge gibt.

Das NOW-Programm im Überblick:

  • Mit dem Antrag verpflichtet sich der Arbeitgeber im Voraus zur Verpflichtung, für seine Mitarbeiter während der Zeit, für die der Zuschuss gewährt wird, keine betriebsbedingte Kündigung zu beantragen.
  • Der Antragsteller erwartet einen Umsatzverlust von mindestens 20 %.
  • Die Regelung gilt für Umsatzrückgänge ab dem 1. März 2020.
  • Die Höhe des Lohnkostenzuschusses richtet sich nach dem Umsatzrückgang und beträgt maximal 90% der Lohnsumme. Nachfolgend einige Beispiele für das Verhältnis zwischen dem Umsatzrückgang und der Höhe des Zuschusses:
    • Bei einem Umsatzverlust von 100 % beträgt der Zuschuss 90 % der Lohnsumme des Arbeitgebers.
    • Bei einem Umsatzrückgang von 50 % beträgt der Zuschuss 45 % der Lohnsumme des Arbeitgebers.
    • Bei einem Umsatzrückgang von 25 % beträgt der Zuschuss 22,5 % der Lohnsumme des Arbeitgebers.
  • Die UWV-Behörde zahlt auf der Grundlage des Antrags einen Vorschuss in Höhe von 80 % des beantragten Zuschusses.
  • Der tatsächliche Umsatzrückgang wird im Nachhinein ermittelt.
  • Für Anträge ab einer bestimmten Größenordnung ist eine Stellungnahme eines Wirtschaftsprüfers erforderlich.
  • Eine Korrektur wird vorgenommen, wenn sich bei der definitiven Ermittlung des Zuschusses herausstellt, dass die Lohnsumme niedriger war.

Wie stellt man den Antrag?

Der NOW-Zuschuss kann ab dem 6. April bis zum 31. Mai bei der UWV-Behörde beantragt werden. Unternehmen, die die Bedingungen erfüllen, erhalten innerhalb von 2 bis 4 Wochen eine Vorauszahlung. Der Antrag erfordert keine e-Recognition oder eine andere Form der Authentifizierung und Autorisierung. Sie können den Antrag mit Ihrer Lohnsteuernummer stellen. Betrug wird überprüft.

Tipp: Wir raten Ihnen, sich die Zeit zu nehmen um den Antrag korrekt und sorgfältig einzureichen. Sie haben bis zum 31. Mai 2020 Zeit, und es werden wahrscheinlich immer mehr Aspekte über das Programm bekannt werden, je mehr Erfahrungen mit der Ausführung gesammelt werden. Wir unterstützen Sie gerne bei der Antragstellung.

Geben Sie Ihre Lohnsteuererklärung zeitnah ab

Achtung! Haben Sie die Lohnsteuererklärung noch nicht an das Finanzamt übermittelt? Dann holen Sie dies schnell nach, denn die UWV-Behörde benötigt die Daten aus der Lohnsteuererklärung für die Anwendung des NOW-Zuschusses. Das Finanzamt fordert Unternehmen auf, dies kurzfristig zu machen und erklärt, dass sie aufgrund der Coronakrise eine Steuerstundung beantragen können (siehe auch den Stundungsplan des Finanzamtes).

Einstellung des alten Kurzarbeitergeldes (WTV)

Ein bereits gestellter Antrag auf Kurzarbeitergeld wird ab sofort wie ein Antrag auf das neue NOW-Zuschusssystem betrachtet. Sie brauchen in dem Fall nichts zu unternehmen und werden automatisch benachrichtigt. Wenn Ihrem Unternehmen bereits Kurzarbeitergeld gewährt wurde, bleibt die Gewährung weiterhin gültig.

2. Stundung von Steuerzahlungen in den Niederlanden

Sie können bei der niederländischen Steuerbehörde eine Stundung der Steuerzahlung beantragen. Es kann sich dabei um Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Umsatzsteuer und Lohnsteuer handeln. Dieser Antrag muss jedoch schriftlich begründet werden, bevor die Einziehung gestundet wird. Die Prüfung wird zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden. Auf Säumniszuschläge wegen zu später Steuerzahlung wird im Zusammenhang mit den Corona-Auswirkungen verzichtet. Wenn Sie aufgrund der aktuellen Lage einen Gewinneinbruch erwarten, ist es darüber hinaus ratsam, eine Senkung der Steuervorauszahlung zu beantragen.

Achtung: Die Steuerbehörde bearbeitet die Anträge manuell. Die Bearbeitungszeit kann sich daher aufgrund der großen Zahl der eingehenden Anträge verlängern.

Die Einziehungszinsen, die normalerweise nach Ablauf der Zahlungsfrist fällig werden, werden vorübergehend von 4 % auf fast 0 % gesenkt. Dies gilt für alle Steuerschulden. Auch der Steuerzinssatz wird vorübergehend für alle Unternehmer auf den niedrigstmöglichen Satz festgelegt. Die Steuerbehörde prüft derzeit, welcher Zinssatz für jede Steuerart ausführungstechnisch realisiert werden kann.

3. Erweiterung der Bürgschaftsregelung für KMU-Kredite: BMKB-C

Die Voraussetzungen für die Bürgschaftsregelung des KMU-Kreditprogramms wurden gelockert. Die angepasste BMKB-C-Maßnahme gilt ab dem 16. März. Diese Maßnahme ermöglicht es den KMU, bei ihrer Bank Geld zu günstigeren Bedingungen zu leihen, um beispielsweise Rechnungen zu zahlen und Zahlungsrückstände auszugleichen.

Die Maßnahme soll verhindern, dass von den Auswirkungen des Coronavirus betroffene Unternehmen in Liquiditätsprobleme geraten. Mit dieser Maßnahme bürgt der Staat zum Teil für Unternehmen, die einen Kredit aufnehmen wollen, jedoch nicht in der Lage sind, ausreichende Sicherheiten zu bieten. Hierdurch können Sie als Unternehmer mehr leihen, als Sie aufgrund der Sicherheiten erhalten würden. Aanvragen voor BMKB-C kunnen tot 1 april 2021 worden ingediend. De regeling houdt het volgende in:

  • Der Staat gewährt eine Bürgschaft für 75 % des Kredits. Mit anderen Worten: 75 % eines Überbrückungskredits kann über die BMKB-C Maßnahme finanziert werden.
  • Die persönliche Bürgschaft des Unternehmers wurde von 25 % auf 10 % reduziert.
  • Der Kreditanteil für Risiko der Bank kann in Form eines neuen Darlehens, eines neuen Kontokorrentkredits oder einer Erhöhung des bestehenden Kontokorrentkredits erfolgen.
  • Die maximale Kreditsumme beträgt 1,5 Mio. Euro.
  • Die maximale Laufzeit des BMKB-C-Kredits beträgt 8 Quartale.
  • Die Tilgungsart von der Bank entschieden. Es gibt folgende Optionen:
    • Lineare Tilgung (gleichbleibende Tilgungsraten + Zinsen), eventuell mit einer tilgungsfreien Periode;
    • Einmaltilgung am Ende der Laufzeit.
  • Bei der BMKB-C-Maßnahme wird nicht geprüft, ob ausreichende Sicherheiten vorhanden sind.

 

Obwohl wir diese Informationen mit großer Sorgfalt für Sie zusammengestellt haben, können daraus keine Rechte abgeleitet werden.