Die 30%-Regelung zur steuerfreien Vergütung von extraterritorialen Kosten für in die Niederlande eingewanderte Arbeitnehmer, Expats, Auslandsentsandte (30%-regeling bzw. 30% tax ruling)

1 October 2014

In den Niederlanden existiert eine Sonderregelung für Arbeitnehmer, die in den Niederlanden eine Tätigkeit aufnehmen und dazu aus dem Ausland, beispielsweise Deutschland, in die Niederlande einwandern bzw. dafür umziehen. Diese Sonderregelung wird in den Niederlanden auch 30%-Regelung (auch 30%-regeling oder 30% tax ruling genannt).

Den Namen hat die niederländische 30%-Regelung (auch 30%-regeling oder  30% tax ruling genannt) dadurch erhalten, dass mit ihr eine steuerfreie Vergütung von 30% des vereinbarten Bruttogehaltes einhergeht, die der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer zusätzlich zum Gehalt ohne Erhebung von Steuern auszahlen darf. Diese steuerfreie Vergütung ist als Kompensation für zusätzliche Kosten für den Aufenthalt in den Niederlanden gedacht, den sogenannten extraterritorialen Kosten. Arbeitnehmer müssen dabei aber nicht durch Belege oder anderweitig nachweisen, dass ihnen tatsächlich zusätzliche Kosten entstanden sind.

Um die niederländische 30%-Regelung (auch 30%-regeling oder 30% tax ruling genannt) nutzen zu können, ist die Zustimmung des Belastingdienstes notwendig, der einen entsprechenden Bescheid ausstellen kann. Der Arbeitnehmer kann, um diesen zu erhalten, zusammen mit seinem Arbeitgeber und dem Steuerberater einen Antrag auf die 30%-Regelung in den Niederlanden einreichen. Allerdings gelten dafür einige Voraussetzungen bzw. Kriterien.

Arbeitnehmer, u.a. Expats und Auslandsentsandte, können die 30%-Regelung in den Niederlanden beantragen, wenn sie von außerhalb der Niederlande rekrutiert oder von einem anderen Land als den Niederlanden aus entsendet worden sind, um in den Niederlanden zu arbeiten. Um die niederländische 30%-Regelung (auch 30%-regeling oder 30% tax ruling genannt) in Anspruch nehmen zu können, gelten mit Wirkung vom 1. Januar 2012 unter anderem die folgenden Kriterien:

  • Die Beschäftigung als Arbeitnehmer in den Niederlanden, auch z.B. in Anstellung als Arbeitnehmer in einer eigenen BV.
  • Gehaltskriterium: Verfügung über ein spezifisches Fachwissen, das auf dem niederländischen Arbeitsmarkt nicht oder nur kaum vorhanden ist. Arbeitnehmer können mit einem solchen Fachwissen die niederländische 30%-Regelung in Anspruch nehmen, wenn ihr Gehalt exklusive der freien Vergütung von 30% in den Niederlanden im Jahr 2014 mindestens 36.378 € beträgt. Für Arbeitnehmer, die jünger als 30 Jahre alt sind, gilt ein Mindestgehalt exklusive der steuerfreien Vergütung von 30% in Höhe von 27.653 € für das Jahr 2014. Bei der Prüfung des Belastingdienstes, ob das Gehalt den Mindestanforderungen entspricht, können im Übrigen auch Einkommen aus dem Ausland (z.B. Deutschland), die im Jahr 2014 erzielt wurden, hinzugezählt werden, wenn entsprechende Nachweise vorhanden sind. Wenn in den Niederlanden nur wissenschaftliche Forschungstätigkeiten ausgeübt werden, können Arbeitnehmer sogar ohne Erfüllung des Gehaltskriteriums die 30%-Regelung in Anspruch nehmen.
  • 150 km-Kriterium: Der Arbeitnehmer muss in den letzten 24 Monaten vor dem ersten Arbeitstag in den Niederlanden in mehr als 2/3 der Zeit mehr als 150 Kilometer von der niederländischen Grenze entfernt (Luftlinie) gewohnt haben.

Es gibt jedoch bei der Beantragung der 30%-Regelung zur steuerfreien Vergütung der extraterritorialen Kosten Ausnahmen von dem 150 km-Kriterium bzw. der 24-Monatsfrist und Ausnahmen für Promovierte. Wir können Sie gern darüber informieren und Sie individuell beraten.

Gern möchten wir auch noch darauf hinweisen, dass momentan ein Prozess beim Europäischen Gerichtshof darüber läuft, ob das 150 km-Kriterium überhaupt zulässig ist, da dies einen Teil der im Ausland wohnenden Arbeitnehmer diskriminiert. Es ist möglich, sich der entsprechenden Sammelklage anzuschließen, wenn die Bewilligung der 30%-Regelung (auch 30%-regeling oder 30% tax ruling genannt) vom Belastingdienst wegen der Nicht-Erfüllung des 150km-Kriteriums nicht gewährt worden ist.

Wir empfehlen daher, auf jeden Fall einen Antrag auf die 30%-Regelung (auch 30%-regeling oder 30% tax ruling genannt) zu stellen, wenn die anderen Kriterien erfüllt werden können, und anschließend eine Beschwerde gegen die eventuelle Abweisung der 30%-Regelung aufgrund der Nicht-Erfüllung des 150 km-Kriteriums beim Belastingdienst einzureichen.

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Datum: 01.10.2014